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Die Ostsee
Geschrieben von Joachim Warner
Die Ostsee ist ein sogenanntes Schelfmeer, also streng genommen handelt es sich nur um überschwemmtes Festland. Ausserdem ist sie noch sehr jung, erst vor rund 10000 Jahren entstand sie in ihrer heutigen Form durch Gletscheraktivitäten.
Im diesem, für ein Meer doch recht jungen Leben musste sie jedoch bereits viel ertragen. Neben dem Missbrauch durch den Menschen in den letzten Jahrhunderten leiden sie und ihre Bewohner besonders unter dem schwankenden Salzgehalt des Wassers.
Frisches Salzwasser aus der Nordsee kann nur durch schmalen, flachen Rinnen zwischen Dänemark und Schweden in die Ostsee vordringen. So ist es zu erklären, das man im Kattegat einen Salzgehalt von ca. 35 g/l, im Öresund und den Belten von Nord nach Süd abnehmende Salzgehalte von 30 auf ca. 17 g/l und in der westlichen Ostsee einen Salzgehalt von etwa 17 Gramm pro Liter findet, während es in den östlichen Bereichen gerade noch 6 bis 3 sind (zum Vergleich: die Ozeane haben durchschnittlich einen Salzgehalt von 35 Gramm je Liter).
Ähnlich wie mit dem Salzgehalt verhält es sich auch mit dem maritimen Leben: Während sich im Kattegat fast alle typischen Bewohner der Nordsee und des Nordatlantiks beobachten lassen wurden die Gewässer der östlichen Ostsee von Süßwasserbewohnern für sich in Besitz genommen.
Die Ostsee ist im Schnitt nur etwa 50 Meter tief, die tiefste Stelle findet sich im Landsort-Tief vor der schwedischen Ostküste und misst 491 Meter.
Im Bereich der Belte ist das Wasser deutlich flacher als im Kattegat, deshalb schaffen es nur starke Winterstürme aus nordwestlicher Richtung nennenswerte Mengen des sauerstoffreichen Seewassers über diese Schwelle zu drücken. Geschieht dies in manchen Jahren stärker als gewöhnlich wandert auch das Leben mit dem Salzwasser weiter nach Osten vor. Die schleichende Aussüßung durch den Regen und einfliessendes Wasser aus den Flüssen erstickt es jedoch nach und nach wieder.
Der Nährstoffreichtum durch eingeschwemmte Düngestoffe führt zeitweise zu Massenvermehrungen von Algen, die später absterben und auf den Grund absinken. Wenn dann fehlende Vertikalzirkulationen einen Nachschub von Sauerstoff in das Tiefenwasser verhindern, kommt es zu großflächigen Sauerstoffmangelerscheinungen. Dann vermehren sich zunächst Schwefelbakterien und bei weiter absinkender Sauerstoffkonzentration Methanbakterien. Damit wird eine Besiedelung dieser Region durch höhere Lebewesen unmöglich.
Will man also bei seinen Tauchgängen auch auf abwechslungsreiches Unterwasserleben nicht verzichten, so sollte man sich eher in Richting Norden orientieren (je näher man der Nordsee kommt, desto vielfältiger wird besonders die Tierwelt vertreten sein).
Vielleicht sollte man noch einige Worte zu den Themen Strömung und Sicht verlieren, da diese Punkte für Taucher ja von zentraler Bedeutung sind: Während man im Skagerrak und Kattegat einen Gezeitenkalender nutzen kann um die besten Zeiträume für die Tauchgänge zu bestimmen, kann man diese Methode südlich des Großen Beltes nicht mehr anwenden. In erster Linie wird die Strömung hier vom Wind beeinflusst und es kann zu erheblichen Abweichungen zwischen den angegeben Zeiten in den Tabellen und den tatsächlichen Strömungsverhältnissen kommen. Eine erste Orientierung liefern die Strömungsprognosekarten des BSH (www.bsh.de).
Die Ostsee wird von Meeresbiologen oft als "überlaufender Teich" gesehen. Durch die großen Flüsse im Osten/Nordosten, die in die Ostsee münden, ergibt sich ein erheblicher Süßwasserüberschuss. Dieser führt einerseits zu den relativ geringen Salzgehalten der östlichen und nördlichen Ostsee (das Wasser ist dort eigentlich eher Brackwasser als Meerwasser) und andererseits zum oberflächlichen Abströmen in Richtung Kattegat. Im Fehmarnbelt misst man oft nur 5 g/Liter Salz in Wasserkörper der oberen 5 Meter.
Die Gezeitenströmung aus dem Kattegat führt dagegen regelmäßig salzreiches Nordseewasser (ca. 35 g/Liter) vor allem durch den Großen Belt in die Ostsee. Da am Südausgang des Großen Belts in Richtung Kieler Bucht die Wassertiefen nur ca. 20 m betragen, wird dieser Zustrom, der im Tiefenwasser abläuft, durch den Fehmarnbelt in Richtung Mecklenburger Bucht umgelenkt. Deshalb gibt es im Fehmarnbelt im Sommer auch zwei Sprungschichten: Bei ca. 11 m die thermische (Thermokline) und bei 22 - 24 m die Salzgehaltsgrenzschicht zwischen Ostsee- und Kattegat-Wasser (Halokline).
Weiter östlich trifft dieser Zustrom auf die sogenannten Darßer Schwelle, wird schräg nach oben abgelenkt und vermischt sich mit dem Wasser der mittleren Schicht. Nur selten und bei andauernden Weststürmen wird das salzreiche Wasser über die Darßer Schwelle hinweg in Richtung zentrale Ostsee gedrückt. Deshalb fällt der Salzgehalt auf Höhe von Rügen/Darß auch erheblich ab.
Der Taucher merkt es u. a. am völligen Fehlen der Seenelken-Population und an der Schalengröße der Miesmuscheln (je weniger Salz, desto kleiner)
Die Sicht kann ebenfalls stark schwanken: Algenwachstum und -blüte, Strömungsaufkommen, möglicher Unterwasserbewuchs in der näheren Umgebung (hierbei sind in erster Linie planktonfilternde Miesmuscheln und Seenelken gemeint) und die wechselnden Sprungschichten lassen auch hier meistens keine exakten Prognosen zu. Grundsätzlich sind die Chancen auf gute Sicht natürlich nach heftigen Stürmen und während der Algenblüte (ausgelöst durch steigende Wassertemperaturen) am geringsten.