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S 103
Copyright © 2002 bei Peter Klink www.bubblewatcher.deAber Vorsicht, in der Umgebung gibt es eine Menge Sportschiffahrt und nicht alle Freizeitskipper zeichnen sich dadurch aus, das sie nach Tauchbooten oder Taucher im Wasser Ausschau halten.
In den ersten Maitagen 1945 ging der zweite Weltkrieg in Europa seinem Ende entgegen. In Westdeutschland marschierten die amerikanischen und englischen Panzerkolonnen unaufhaltsam Richtung Nordost, während die russischen Truppen einen letzten Sturmlauf auf die Reichshauptstadt Berlin führten. Anfang des Monats begann Feldmarschall Montgomery mit seinem Kommandozug in der Lüneburger Heide mit den deutschen Vertretern die Kapitulationsverhandlungen. Demnach sollten alle deutschen Flotteneinheiten in den nördlichen Gewässern zwischen Sund und großen und kleinen Belt sofort jegliche Kampfhandlungen einstellen, in die nächsten Häfen einlaufen und an die Alliierten ausgeliefert bzw. kampflos übergeben werden.
In den Flottenaufzeichnungen W 18 / 76 wurde die letzte Fahrt von S 103 dokumentiert.
Ausgenommen hiervon war das Schnellboot S 103. Am 4. Mai 1945, am Tag der bedingungslosen Kapitulation, befand sich das Schnellboot S 103 im südlichen Teil des kleinen Belts vor Alsen in der Nähe von Mommark, als das Schicksal es einholte. Alliierte Jagdbomber,vom Typ de Haviland "Mosquito MK 31" und Liberator Flugboote, die stetig bewaffnete Aufklärungsflüge über den dänischen Gewässern durchführten, und den Auftrag hatten alles anzugreifen was sich auf der Meeresoberfläche bewegte, sahen das Boot S 103. Das Boot wurde umgehend mit Raketen angegriffen und versenkt.
31 Jahre sollten vergehen, bis das letzte Kapitel der Geschichte von S 103 geschrieben werden sollte. Beim Langelandfort, auf der Insel Langeland, wurde ein Vortrag über gefährliche Güter am Strand und im Meer gehalten. Zu den gemischten Zuhörern zählten auch Mitglieder eines lokalen Tauchclubs. Nach dem Vortrag wurde der Vortragshaltende vom Vorsitzenden des Clubs kontaktiert. Er erklärte, das Clubmitglieder häufig zum Wrack eines deutschen Motortorpedobootes, südöstlich von Mommark tauchten. Er meinte das diese Tauchgänge sehr beunruhigend seien, da die an Bord zurückgelassene Munition und zurückgelassenen Munitionsteile noch sehr gefährlich seien.
Ein paar Tage später machte man den dänischen Seefahrts-Minendienst auf das Wrack aufmerksam und übersandte die "Decca" Position des Wracks. In den dänischen Seekarten war dieses Wrack nicht verzeichnet, was auf Grund der Wassertiefe von 30 m über dem Wrack nicht verwunderlich war, denn es war nicht mit einer Gefährdung der Schiffahrt zu rechen . Ein Ortungsschiff der dänischen Marine, welches mit zur damaligen Zeit modernen Unterwasserortungsgeräten ausgerüstet war , wurde einige Zeit später zu der Position entsannt. Es zeigte sich, daß unter Wasser ein Wrack auf dem Meeresgrund lag. Einer der Marinetaucher ging hinunter und konnte nach dem Auftauchen berichten, das es sich um ein deutsches Schnellboot aus Kriegszeiten handelte und noch mit Torpedos bestückt sei. Das Wrack lag 33 m tief auf dem Grund, ca. 3 nm südöstlich von Mommark und ca. 2 nm vor der Küste der Insel Alsen. Der Munitionsräumdienst wurde mit der Untersuchung der Möglichkeit das Wrack oder die Munition zu sprengen beauftragt. Dummerweise gab es da ein Problem, denn in unmittelbarer Nähe verläuft ein Unterwasserkabel , deshalb wurde diese Möglichkeit erst einmal wieder verworfen. Daraufhin wurde für die Wrackposition und im Umkreis von o,5 nm ein Anker- und ein Fischereiverbot erteilt.
Siehe NfS Nr. 9 / 77 4 März 1977
Das Wrack wurde später wieder durch Taucher des Munitionsräumdienstes aufgesucht. Doch jetzt stellte man nach genaueren Untersuchungen fest, daß sich in der Nähe des Bootes auch noch einige Wasserbomben befinden.
Diese Aktivitäten wurden auch von den dänischen und norddeutschen Medien mitverfolgt so daß auch die "Deutsche Dienstelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht", die ihren Hauptsitz in Berlin hat , davon erfuhr.
Die Dienststelle die sich der Kriegsgräberfürsorge und dem Aufspüren von Angehörigen widmet, setzte eine Nachforschungsarbeit in Gang, da das diesbezügliche Archivmaterial vieler Kampfschiffe , darunter auch das von S 103 verlorengegangen war. Nach vielen Bemühungen findet man endlich ein überlebendes Besatzungsmitglied. Obermaschinist Hans Schott wohnte in Neuss und kannte noch 9 weitere Überlebende, darunter auch den letzten Kommandanten des Bootes Oberleutnant z.S. Hans Wulf Heckel.
Der "Bubblewatcher Tauchservice" konnte sich mit dem ehemaligen Kommandanten von S 103, OLt.z.S. Heckel, persönlich in Verbindung setzten und erfuhr die wahre Geschichte von der letzten Fahrt von S 103.
An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich für die sehr freundlichen und überaus informativen Auskünfte bei Herrn Heckel bedanken.
Am 02.04.1945 übernahm ich über das im dänischen Svendborg liegende Torpedoboot S 103 das Kommando. Mir war der Dienst an Bord gut bekannt, da ich vorher Chef und Divisionschef einer Torpedobootflottille im Mittelmeer war. Mit Ausnahme einiger weniger kriegserfahrener Soldaten war S 103 nur mit jungen unerfahrenen Soldaten bemannt.
Ohne die Möglichkeit ihnen eine Grundausbildung zuvermitteln bekam ich zwei Tage nach meiner Ankunft den Befehl, als einziger fronterfahrener Kommandant, ich hatte vorher als Schnellboot Divisionchef im Mittelmeer und dem schwarzen Meer gedient, das in Svendborg bei der 2. S-Boot-Schulflottille liegende Schiff, nach Flensburg zu fahren, um zu untersuchen, ob die englischen Truppen bis dorthin schon vorgestoßen seien. Denn man wußte nur mit Sicherheit, daß die engl. Truppen die Eider schon überquert hatten.
Trotz meiner Bedenken, die ich an höhere Stelle vortrug, wurde mir der Auslaufbefehl erteilt. Es war zu fast 110% sicher, das wir Flensburg nicht unentdeckt erreichen würden. Die Besatzung war nicht ausgebildet, der Rollendienst an Bord konnte nicht effektiv genug durchgeführt werden. Aber Befehl war Befehl und deshalb liefen wir am 4. Mai 1945 gegen 14 : 00 Uhr bei bedeckten und teilweise sehr regenreichen Wetter aus. An Bord befanden sich 32 Personen von denen zwei nicht zur Besatzung gehörten und nur nach Flensburg gebracht werden sollten. Der Luftraum über Dänemark und Norddeutschland war stets mit feindlichen Flugzeugen gefüllt.
Ständig suchte ich mit meinem Marinefernglas den Himmel ab. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die unter den damaligen Bedingungen getroffen werden konnten, wie z.B. doppelte Ausgucks, alle Gefechtsstationen besetzt, die Waffen fertiggeladen und hergestellten Kriegsmarschverschlußzustand wurden wir ca. 1 Stunde nach dem wir aus dem dänischen Svendborg ausgelaufen waren von einer Explosion und vielen Einschlägen erschüttert. Durch ein Wolkenloch hatten die Jagdbomber uns entdeckt und die Jagd ging los. Der erste Angriff mit Raketen landete einen Volltreffer direkt hinter dem Brückenhaus und gleichzeitig fingen wir uns durch den Bordwaffenbeschuß viele kleinere Treffer ein. Unglücklicher Weise war die vordere 2 cm Flak 38 des Bootes und ein Großteil der Besatzung durch die ersten Treffer ausgefallen. Unsere übrigen Waffen fielen auch in relativ kurzer Zeit aus, so daß wir uns nicht mehr verteidigen konnten. Der Kampf war verloren bevor der erste Angriff vorüber war.
Die Seitenmotoren waren ausgefallen und die Mittelmaschine lief auch nur noch auf einigen Zylindern. Wir waren nur noch sehr eingeschränkt manöverierfähig.
In der folgenden halben Stunde wurden wir von 6 Jabos, 2 zweimotorige und 4 viermotorige, angegriffen bis kurze Zeit später das Boot sank. Es war ein reines Scheiben schießen.
12 gerettete oder unverletzte Besatzungsmitglieder, zu denen auch ich gehörte, mußten sich schwimmend, und sich teilweise lediglich mit einer Hand an einem Rettungsfloß klammernd, retten. Nach einer dreiviertel Stunde im sehr kalten Wasser wurden wir von einem kleinen Fischerboot, welches den Kampf von Mommark aus beobachtet hatte, aufgenommen. Man brachte uns anschließend an Land und versorgte die verletzten und teilweise stark unterkühlten Besatzungsmitglieder. Man gab uns warme Decken, Verpflegung sowie eine Unterkunft.
Von 32 Menschen überlebten nur 12.
Gleich nachdem wir Mommark erreicht hatten, sah ich draußen vor der Küste ein U-Boot, daß von fast mehr als 30 Jagdfliegern angegriffen und schwer beschossen wurde. Diesem Boot erging es auch nicht besser als meinem Boot. Die Übermacht der Flugzeuge war einfach zu groß. Das U-Boot hatte dem Gegner fast nichts zum entgegenzusetzen. Nach aussichtslosem Kampf unterlag auch dieses U-Boot der feindlichen Übermacht und sank auf den Grund des südl. kleinen Belts. Vom Kommandanten eines im Fährhafen ankernden und gut geschützten Minenräumers erfuhr ich, gleich nachdem ich dort an Bord gegangen war, das ab 08:00 Uhr am nächsten Tag Waffenstillstand herrschen würde. Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Mit diesen Worten schloß Oberleutnant Heckel seinen Bericht.
Bootsdaten
Bauwerft : Schlichting - Werft / Travemünde / Baunummer 1003
Typ: Schnellboot vom Typ S 38 der Lürssen Werft
Länge: 34,94 m
Breite: 5,28 m
Tiefgang: 1,67 m
Leistung: 3x 2000 PS Höchstleistung 3 x 1500 PS Marschleistung
Motoren : 3x Daimler MB 501 / 20 Zylinder / Bohrung 185mm / Hub 250mm
Max. Schraubenumdrehungen: 1630 U / min
Max- Geschwindigkeit: Kurzhöchstfahrt 39 kn ( ca. 72 km/h)
Aktionradius: 700 nm bei 35 kn
Kraftstoffvorat: 13500 ltr
Propellerdurchmesser: 1, 23 m
Ruderart: Staudruckruder (Spezialruder der Lürssen Werft)
Das Wrack heute
Es gibt heute viele Möglichkeiten zum Wrack von S 103 zu kommen. Die beste und auch sicherste aller Möglichkeiten, um einen schönen, sicheren und unbeschwerten Tauchgang erleben zu können, besteht allerdings darin, sich professionellen Anbietern anzuvertrauen, denn es reicht nicht aus, sich mit einem GPS Handy und einem Boot zubewaffnen und dann zu versuchen das Wrack zu finden. Man benötigt schon einiges an Erfahrung auf dem Gebiet der Navigation, Seemannschaft und Schiffsführung und den sonstigen Gepflogenheiten bzw. Bedingungen beim Wracktauchen, die nicht unbedingt mit dem Tauchen am heimischen See oder ähnlichem zu vergleichen sind.
Wie fast überall in der Ostsee ist das Wasser grün und geht in zunehmende Dunkelheit über, wenn man sich der 33 m Marke nähert. Je nach Windrichtung ist mit mehr oder weniger Strömung zurechnen. Es gibt viele Tage mit sehr guter Sicht (über 7 -8 m) und es gibt Tage mit nur einem Meter Sicht. Es gibt also ausreichend viele Voraussetzungen einen schönen Tauchgang am Wrack zu erleben. Der Meeresboden um S 103 ist eher langweilig. Ein kleines Stück vom Boot entfernt beginnt der Schlamm dick zu werden. Dort, in diesem Schlamm liegt bestimmt noch eine Menge Munition oder Teile davon, die beim Angriff auf S 103 nicht detoniert ist.
S 103 ist ein sehr schönes Wrack, welches noch sehr gut erhalten ist und keine größeren Schäden durch Schleppnetze oder ähnlichem aufweist.
Das auffälligste dieses Bootes waren die 2 großen Torpedorohre auf Bb. und Stb. Seite des Rumpfes. Leider sind diese Torpedorohre, im Zuge der Munitionsräumung, mitsamt Ihrem explosivem Inhalt komplett aus dem Wrack, entfernt worden. Das 2 cm Flak 38 Geschütz mittschiffs hinter dem Steuerhaus ist aber immer noch vorhanden. Das Geschützrohr zeigt auch heute noch drohend in den Himmel. Ein Handrad zum richten des Geschützes läßt sich auch heute noch teilweise bewegen.
Das vorderste 2 cm Flakgeschütz fehlt, es wurde von einem dänischem Tauchclub unberechtigter Weise entfernt, doch der kreisförmige Brunnen in dem es sich befunden hat, ist noch gut erkennbar. Etwas weiter achtern, kurz vor dem Brückenhaus, befinden sich drei Niedergänge. Sie führen in den Unteroffiziersraum, zur Feldwebelkammer und zum Navigationraum. Das eintauchen ist allerdings so gut wie unmöglich. Die Räume sind alle schon sehr stark versandet und mit der Tauchausrüstung, durch die engen Niederänge zu tauchen, sollte von jedem verantwortungsvollen Taucher vermieden werden.
Mit etwas Akrobatik könnte man in das Ruderhaus eintauchen, aber Vorsicht, es ist sehr, sehr eng. Und man würde viel an Bewuchs zerstören. Es reicht aber völlig aus, wenn man von außen durch die Brückenhausfenster oder durch die seitlichen Schotten hineinblickt. Mit etwas Phantasie könnte man, unter der dicken Kruste von Seepocken und Miesmuscheln, noch das Steuerrad erkennen. Direkt daneben befindet sich noch ein Teil des Maschinentelegraphen.
Gleich hinter dem 2cm Flakgeschütz kann man zu der Mittelmaschine sehen. Leider sind auch die Motorenräume schon sehr stark versandet. Die großen Abgasleitungen von ca. 300 bis 400mm Durchmesser sind aber zum Teil noch sehr gut erkennbar. Insgesamt hatte das Boot 3 Maschinen vom Typ Daimler MB 501 mit je 20 Zylindern und einen Gesamthubraum von je 134,4l. Durch diese Maschinen konnte das Boot eine beachtliche Fahrt laufen, so daß es seinen Namen "Schnellboot" zurecht verdient. Gleich auf dem Achterdeck liegen noch zwei walzenförmige Behälter. Der eine ist seitlich aus seiner Halterung herausgerissen und der zweite liegt halb neben seiner ursprünglichen Halterung. Diese Behälter waren wahrscheinlich, nach Aussage des Komandanten Zusatzkraftstofftanks, denn einige Boote waren zur Evakuierung von Flüchtlingen aus den Ostgebieten eingesetzt.
Achtung:
S 103 ist immer einen Besuch wert, aber es gilt, wie auch bei allen anderen Tauchgängen, auch hier sehr aufmerksam zu seien, denn auch nach der besagten Munitionsräumung können sich noch Teile von Munition an Bord oder in der Umgebung des Wracks befinden. Es wird ausdrücklich gewarnt vor dem Ankern und dem Fischen im Umkreis von mindestens 0,5nm.
Siehe Nfs 2000 1 / 2.
ALSO VORSICHT BEI DEM WAS MAN ANFAßT